Die Mama mit der Klammer

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– oder warum ich mit der Zusage für einen Kita Platz Gefühlskarussell fuhr 

Fast erinnern mich meine Gefühlsschwankungen an das Wetter oder noch eher an die Zeit als Teenie..
Uii, wie schnell da die Tränen flossen und die Wut ihre Hausbesuche hatte und man gegen die Eltern rebellierte. 
Oder dann die extremen romantischen Gefühle – a la Beethoven im Jahre 1812
”Ewig dein, ewig mein, ewig uns..” 

Aber das ist es hier nicht, was mein Mamaherz in Unruhe versetzte.
Sondern das: 
Am Telefon eine Frauenstimme: ”Wir haben einen Platz für Sie”
Ich, als ob schwerhörig: ”Oh ,.. äh..wie einen Platz?.. Uh..wow..äääääh. Er kann doch noch gar nicht laufen..”
Frauenstimme entpuppt sich als die Leiterin der Kita: ”Wir können ab sofort mit der Eingewöhnung beginnen oder spätestens in zwei Wochen.”
Ooops, ich muss den Kloß im Hals erstmal runterschlucken und versuche die Tränen so lange es geht zu halten.
In meinem Kopf Wirrwarr und ich fühle mich wie im falschen Film.
Ja, und ein wenig Drama-Mama Feeling ist auch dabei.  
 
Dieser Anruf ereignete sich Mitte November und ich brauche das Telefonat nicht weiter zu beschreiben, wenn ich sage, dass wir den so begehrten und ersehnten Kita Platz abgelehnt haben. Warum dann dieser Anruf überhaupt? 
An einem gewöhnlichen Wochentag spazierte ich mit meinem kleinen Mann an der Kita vorbei, die direkt an meine Musikhochschule grenzt und spontan wie ich manchmal aufgelegt bin, beschloss ich dort zu klingeln und naja bloß ein paar Fragen zu stellen.. 
Sehr nett wurden wir begrüßt und ich hinterließ meine Daten, um vielleicht noch vor Oktober 2017 einen Kita Platz zu ergattern. 
Okay, aber der Anruf kam dann schon 2-3 Stunden später- siehe oben.

Die Leiterin hatte ja nur gutes im Sinn, das will ich hier gesagt haben!

Das persönliche Treffen fand eine Woche später in der Kita statt. Vorher ging ich immer wieder dem Gedanken nach, meinen winzig kleinen Sprössling in zwei Wochen bereits in fremder Betreuung unterzubringen und merkte, wie ich als Mama nicht bereit dafür war
Ich musste mir diese Tatsache ehrlich eingestehen.. 
Was mein Baby darüber dachte? Für diese Frage ist es jetzt zu spät 😉 
Beim Hinweg waren wir alle etwas aufgeregt und ich dachte mir, dass wir eine Führung durch alle Zimmer bekommen und es doch trotzdem interessant ist so eine Einrichtung von innen zu sehen. 
Stattdessen begrüßten uns drei Frauen in einem hübschen Büro, also eins was eben typisch ist für einen Kinderhort, denn dort gab es Spielsachen und an dem einem großen ovalen Holztisch nahmen wir alle Platz. Und da war es oder er: vor der Leiterin lag der Vertrag. Allen Anschein nach hing ein großes Missverständnis in der Luft. Denn wir waren gar nicht gekommen, um etwas zu unterschreiben. 
Oooops.! 
Vorsichtig erklärte ich unsere Situation und sah eine verdutzte Frau vor mir sitzen. Irgendetwas sagte mir, dass sie das Plaudern mit uns ab diesem Moment nun als Zeitverschwendung ansah. Sie überließ uns einer Erzieherin, damit diese mit uns doch die ”Führung” durch die Kita machen konnte. 
Auf dem Heimweg war ich ganz zufrieden und Babyjunge schlief nichtsahnend in seinem Wagen.
 
Mein natürlicher Mutterinstinkt wollte den Sprössling also noch ganz für sich haben, das war mir klar geworden. Ich bemerkte erstaunt wie mich diese „Klammergefühle“ überraschten. Schon seltsam wie die Möglichkeit den Knirps in fremde Betreuung abzugeben ein Paradox an Gedanken bei mir auslöste. 
Einmal ist da der Juhu-Jubel für mehr Selbstbestimmung, welches als erstes für meine Zeit in Musik investiert wird. Und daneben beginnt die fürsorgliche Mama an zu wimmern, sie ist doch bereit sich völlig ganz dem Kind hinzugeben. (ich will jetzt nicht sagen „opfern“) 
Obwohl moderne Welt und Frauenrechte, sind wir mal ehrlich, gibt es einen Mann hier auf Erden, den ähnliche Gedanken quälen?
Ich bin ja keine Feministin, aber doch haben und werden wir Frauen in der heutigen Zeit mit dieser Frage in zwei Schubladen gesteckt:
Hausfraumutter mit all den tausend Pflichten vs. Hausfrau und arbeitende Mutter
Ziemlich heikel das Ganze, wenn man ins Detail geht und das ausführt..
 

Warum bin ich dann überhaupt scharf auf einen Kita Platz ? 

Jede Mama kennt ja die ersten Monate nach der Geburt daheim mit dem Neugeborenen. Sich um den kleinen Wurm kümmern, ihn lieben und alle seine Bedürfnisse erkennen wollen und diese dann stillen – Das kann schon mal so richtig anstrengend sein. Mir machte besonders meine Mastitis große Schwierigkeiten am Anfang der Stillzeit! Wenn der Vater dann noch mit Verspätung von der Arbeit/ Studium aufkreuzt, liegen bereits die Nerven blank…
 
Schon ein kurzer Blick in den Spiegel reicht, um die Gedanken darauf zu lenken, wann sich die liebevolle Mutter denn auch mal um sich selbst gekümmert hat?
Den Leidenschaften nachgegangen, die zum Beruf geworden sind oder auch nur die Zeit genommen eine lange Dusche zu nehmen und sich mal wieder aufgebrezelt? 
Um ehrlich zu sagen, hat mir schon im Beginn meiner Mamalaufbahn die Zeit für mich gefehlt. Und das sage ich mal unverschämt ehrlich 😉 
„Was spricht denn dagegen, ein paar Wochen nach der Geburt bereits wieder regelmäßig am Instrument zu sitzen und zu üben?
Ja, so wunderbar mein Beruf ist, verträgt sich dieser schlecht mit einem längeren Wegbleiben.. Ein Spitzensportler kann sich ebenso keine lange Abwesenheit vom Training erlauben.
Dasselbe für Musiker also, die auf diesem Gebiet so einige Dinge gemeinsam haben. 
Tatsache ist, dass ich eigentlich doch sehr gerne ein paar Stunden für hauptsächlich mein Studium und ein kleinklitzelwenig für mich zurück wollte.
 
Einige Tage später nach diesem Treffen recherchierten wir in aller Ruhe nach Kitas für Studenten, denn dass es sowas geben könnte haben wir mal irgendwo gehört 😀
Siehe da, Nürnberg bietet sogar zwei solcher Einrichtungen an und eines davon ist nur ein Katzensprung von uns weg!
Supiiii! 
Hier ging es aber nicht so ratzfatz zu und wir bekamen einen Termin mit anderen interessierten Eltern für einen Info Nachmittag, Fragen klären und natürlich Kita begutachten!
Ach und da mache ich es nicht so spannend! Uns hat es wirklich sehr gut gefallen. 
**
Und was es genau war..? Es war das Bauchgefühl, das mir ganz aufgeregt und still verkündete:
„Diese Kita soll es werden! Diese!!!“
Und meinem Bauch kann ich trauen, da dieser mich ja kennt und zuverlässig wie nix ist 😉
Hier hieß es, dass die Zusage im Februar erfolgen wird und all die Eltern sich erstmal gedulden mussten..
In der Zwischenzeit erlebte ich also immer wieder mal meine Hoch bzw. Tiefs im Alltag und sehnte mich nach dem Augenblick ebenso wie mein Mann vormittags die Tasche zu packen und zum Studium zu fliehen…

– oder mich in einem Überaum mit Klavier einzuschließen.

Welch Bescheidenen Wünsche – könnte man sagen!
Doch da, der Anruf!
„Jaaaa! Wir haben den Platz! Super super ist das!!!“
Und dann frage ich noch vorsichtshalber, ob es denn nicht schon eher geht, vielleicht ab April? 
Aber das wird verneint.
Da dann soll es wohl so sein. Ich stellte mich mental auf nochmal halbes Jahr mit Babyglück ein. Den ganzen mit meinem süßen Mann chillen und es, wenn es dann schön warm ist, den ganzen Tag draußen verbringen. Da kam ein Gefühl auf, dass ich mich auf diesen Frühling – Sommer schon so richtig freute!
 
Gerade mal zwei Tage später nehme ich einen Anruf unserer Traumkita entgegen.
 
„Wir haben vorgestern bereits telefoniert“
„Ja, genau!“
„Es gibt eine tolle Neuigkeit für euch. Ab April wird ein Platz bei uns frei.“
„Boaaah! Voll toll, juuuu.“, rufe ich und merke eine Sekunde später mein Herz schneller schlagen. Meine Freude verschmelzt mit den Gedanken „noch fünf Wochen habe ich meinen kleinen Zwerg bei mir. Will ich das überhaupt noch? Und ist es das richtige für meinen Schatz?
Wie in einer Waschmaschine wurden alle möglichen Gedanken in meinem Kopf angespült und hin und her geschleudert.
 

„ICH WILL DOCH NUR, DASS MEIN KIND GLÜCKLICH IST!“

Dachte ich mir. Und wenn es dabei vergnügt mit anderen Kindern spielt, dann freut es mein Herz ebenso!
 
Immer mal mit dem Mann besprochen, doch schien mir, dass wir da nicht im selben „Gefühlsboot“ schwammen..
 
Ich holte mir einige Meinungen ein und verschiedene Ansichten und Erfahrungen. Das hilft mir, um ein Gesamtbild der Pro und Contras zu erstellen.
Wie im Flug vergingen die Wochen und der Tag war gekommen, an dem wir den Vertrag unterschreiben sollten.
Und dann, spontan und hektisch wie es bei mir mal zugeht, rief ich eine halbe Stunde vor dem Termin meine Mama an und beichtete ihr endlich ganz klar meine Ängste. 
Die Vorteile kannten wir mit ihr bereits ja! 😉 
Dann wogen wir gemeinsam ab und ohne sich wirklich viel einzumischen, machte sie mit Mut für die Sache. Irgendwie hat sich da der Schalter umzustellen begonnen.
In der Kita angekommen, freute sich mein Kleinster unter so vielen Erwachsenen und Kindern zu sein. Ohne Zögern entdeckte er die Spielzeugkiste und dann den größten Spaß, die Holzrutsche!

Ich sah meinen einjährigen Jungen fröhlichspielen

und unterhielt mich mit einer Mutter vom Elternbeirat, die die Organisation übernahm und sehr geduldig Fragen beantwortete.
In der kommenden Woche wollten wir uns in aller Ruhe mit der Gruppenleiterin treffen, damit ich alles loswerden kann, was mir noch im Kopf schwirrt und überhaupt sollte mir die Eingewöhnungsphase genau erklärt werden. Ich fand das wirklich gut und es schien mir, dass ich tatsächlich ehrlich sein kann mit meinen Fragen 🙂
 
Und plötzlich waren wir die letzten, die sich verabschiedeten. Unser kleiner Schatz hatte einfach so viel Freude am Rutschen und vielleicht war er nicht der einzige, der länger bleiben wollte.. 
Auf dem Heimweg fühlte ich Schmetterlinge im Bauch vor dem Beginn eines neuen Kapitels für uns als Eltern und natürlich für unseren Gera. Auf das was kommt sind wir gespannt auch wenn wir um die Abschiedstränen am Anfang nicht herum kommen, fürchte ich. Doch sehe ich mein Kind in guten und fürsorglichen Händen und gewinne vertrauen.
Es kann also bald losgehen.
Drückt uns die Daumen!
 <3
Und habt ihr schon die Eingewöhnung schon hinter euch und seid ihr auch so ein Gefühlskarussell gefahren? Oder bleibt das Kind doch daheim?
Mich interessiert es wirklich sehr zu erfahren, wie denn in anderen Familien diese Dinge funktionieren 🙂
Liebste Grüße
Elena
März 29, 2017
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