Das Weltweiteweib

Illustration von Warja Jones - Blogeintrag von Elena Oberdorfer

Die drei Buchstaben WWW

Baby schlummert – Mama mutiert zum Internetzombie

Was ist nur mit mir los?
Ein Klick hier, der nächste dort und ich klicke mich immer weiter und tiefer in die digitale Welt.
Zuerst stöber ich eifrig, aber eher spontan nach DIY Dekoideen für das Wohnzimmer und entdecke schon ein paar Klicks weiter leckere Rezepte – und dazu noch kalorienfreundlich.
Dann strahlen mich die Begriffe aus den Kochbüchern an, die mittlerweile altbekannt sind: vegan, glutenfrei, superfoods und raw bzw. Rohkost!
So ein Lebensstil soll das Leben besser und den Körper fitter machen.
Klingt ziemlich gut, aber mir ist gleich klar, dass keines dieser Foodmodelle wirklich zu mir passt.
Alles in Maßen ist meine Devise 🙂
Mensch, na was gibt es dann heute bei uns zu Mittag?

Beim nächsten Mausklick

strahlen mich motivierte und gut aussehende Youtuberinnen an, die mir glaubhaft machen, bald ihren Bikinibody zu ersportlen.
Hmm… ich bin skeptisch, aber springe dann doch ein paar Hampelmänner.
Schaden kann es ja wirklich nicht. 😉
Dann entdecke ich plötzlich Interessantes über das chemiefreie Leben und bin interessiert was sich dahinter für Öko-Neuheiten verbergen.
In den letzten Monaten vielleicht sind es auch schon Jährchen merke ich wie es mich in diese ganz bestimmte Richtung drängt.
Bei den Begriffen wie Bio und Öko beginnt mein Umwelt- / Gesundheitsherz schneller zu schlagen und drängt mich sogar ein wenig einer Antiplastikbewegung oder sowas in der Art anzuschließen!
Ja, bei all den guten Ideen will ich dabei sein und unterschreibe voll motiviert so einige Petitionen gegen politisches Unrecht und die Verletzung der Menschenrechte!
Schließlich will ich als Bürgerin in der Bundesrepublik Deutschland auch meine Meinung kundtun!
Und dann…och man!.. schreit mein Baby und entreißt mich aus dem Sog des Internets, denn ich weiß nicht wo ich zuerst anfangen soll bei den vielen Dingen und entschließe mich heute doch nochmal Spaghetti Bolognese zu kochen, das kommt ganz sicher an beim Mann.
Dann frage ich mich kurz, wonach ich eigentlich suchen wollte, als ich mich an den Computer setzte.. ?

Ich habe so ein Gefühl, dass sich da die eine oder andere Frau wiederfindet.
Vielleicht passt das DIY nicht ganz dafür, doch das Wort Selbstoptimierung kommt mir da in den Kopf geschossen.
Auf dieser Optimierungsinsel wäre ich jedoch sicher nicht alleine gestrandet.
Wie viel Verlockendes im Weltweitenweb zu finden ist, kann man so schnell gar nicht aufzählen und irgendwie findet ”es” einen auch ganz gut von selbst!
Manchmal sehr merkwürdig und verdächtig, wenn man bedenkt wie Werbung einen immer wieder beim Surfen hartnäckig ins Auge fällt.
Gestern Abend noch in einem Onlineshop die Kleiderchen auf die Merkliste getippt und heute ganz unauffällig versteht sicht, verfolgt mich dieser nicht zu Ende geführte Einkauf beim Schreiben meiner Mails.
Kennst ihr das auch?

Die vielen Bilder schlanker, makelloser Frauen, die mir sagen wollen, dass ihr Body das Ziel meiner Sportübungen sind und gleichzeitig weiß man, dass da viel Photoshop versteckt ist!
Und doch klicke ich mich durch bis YouTube und lasse mich auf den Kampf gegen die Kilos ein!
Was ja auch lobenswert ist, denn dem Schweinehund muss schließlich das Revier unsicher gemacht werden!..

Vielleicht aber auch einfach mal eine exotische Sprache lernen, wie Chinesisch damit das Hirn aktiv bleibt und man eine Reise in das weite Asien planen kann!
Okay, Spanisch geht auch und das ist alles dann irgendwie realistischer! 🙂
Wie wäre es erstmal nur die eigenen Deutschkenntnisse auffrischen?
Rechtschreibung, Grammatik, ein paar schlaue Fremdwörter oder witzige Redewendungen durchlesen.
Wer war nochmal wessen Tod? Dativ hat Genitiv ermordet? Also ganz sicher bin ich mir nicht, aber das bekannte Buch steht schonmal im Regal!
Oh, ich gestehe – seit ich aus der Schule raus bin ist mein Wissensdurst gewaltig geworden und wächst stetig an.
Schon eine komische Wendung!

Auch an der Persönlichkeit könnte man hier und da was verändern und sich in Geduld und Nächstenliebe üben.
Überhaupt den Alltag entschleunigen – wie wäre das?
Auf dem Planet YouTube findet man auch dafür ein paar Übungen von den Achtsamkeits- und Minimalistenleuten..
Ein paar gute Tipps haben die wirklich für einen parat!

Ich lasse mich auch gerne von den hübschen Fotos auf Instagram ablenken. Gesunde und sportliche Mamas, die mit ihren Kids und Mann ferne Länder bereisen und dabei völlig entspannt in die Handycam lächeln. Ja, ganze Weltreisen machen sie! Wahnsinn finde ich – positiv gesehen 🙂

Auf dem nächsten Profil staune ich über die tollen Fotos, die in mir den Gedanken säen, etwas für meinen Sprössling zu nähen!
Ui und von den “ Mitwachshose made by Mama“ Profilen gibt es eine ganze Menge! Echt klasse finde ich das.
Klingt schön und gut, aber ich bin wirklich sehr weit davon entfernt, eine süße Nähmami zu sein, da diese Tugend auch nicht in der Familie liegt – bzw. in der letzten Mama-Generation! 😉

Die Macht der Bilder und Fotos übt auf mich einen gewaltigen Einfluss aus.

Doch bin ich wahrscheinlich die letzte, die auf die inspirierenden und kreativen Menschen aus dem Internet verzichten will.
Die, die tollen Blogs und YouTubevideos drehen und kreativ gestalten! Ich finde es super, was da so viele Menschen auf die Beine gestellt haben! (In Klammer gehören jedoch all die Youtubestars, die den Teens den Kopf verdrehen mit ihren DM Hauls und Vlogs und dem unermüdlichem, oberflächlichem Gelaber.)
Und mal ganz ehrlich, man kann doch nicht ernsthaft alle seine ”Lücken” füllen.
Da fällt mir ein, dass ich irgendwo mal gelesen habe, dass man eigentlich seine Stärken ausbauen soll!
Das heiß für mich, mehr Kaffee, mehr lachen, mehr Drama, mehr singen und Klavier spielen, mehr lesen, mehr zuhören und schmusen!
Doch die weit entfernten Wünsche sehen mich genüsslich an – oder belächeln sie womöglich meine Bequemlicheit?
Einmal to go – Bikinibody, bilinguales Sprachvermögen, Ruhe, Gelassenheit, geschickte Hände für die Handarbeit, Kraft und Energie für mein Babywirbelwind …

Aber erleichtert bin ich irgendwie trotzdem, wenn mich mein süßer Sohnemann aus den festen Fängen des weltweiten Web entreißen kann und mich zurückholt ins hier zu ihm! Ach, dafür bin ich dankbar, denn eigentlich lehrt er mich seine Sprache und Zeichen zu verstehen, meine Geduld zu erweitern und hilft mir Pfunde zu verlieren, wenn ich ihn trage und trage..
(im Maßen, denn ich greife auch im Regal immernoch gerne nach Cookies 😀

Genug vom Gedankenchaos und schließlich wartet schon das YouTube Sportvideo, das soeben rausgekommen ist auf mich!
Schnelle Grüße,
eure Lena – Lenachka! 😛

Oktober 21, 2016
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